BREAKING CHANGE: Die alte Shell-Version muss vor der Installation der Go-Version deinstalliert werden.
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Architektur & Funktionsweise
Dieses Dokument erklärt, wie AdGuard Shield intern arbeitet. Es geht dabei nicht nur um die Dateien auf dem System, sondern auch um den Weg einer DNS-Anfrage vom AdGuard-Home-Querylog bis zur Firewall-Sperre.
Kurzüberblick
AdGuard Shield besteht in der Go-Version aus einem einzelnen Binary:
/opt/adguard-shield/adguard-shield
Das Binary übernimmt alle Aufgaben, die früher auf mehrere Shell-Skripte verteilt waren:
- Querylog-Polling über die AdGuard-Home-API
- Erkennung von Rate-Limit-Verstößen
- Erkennung von Random-Subdomain-Floods
- DNS-Flood-Watchlist mit sofortigem Permanent-Ban
- Verwaltung aktiver Sperren in SQLite
- Firewall-Steuerung über
ipset,iptablesundip6tables - automatische Freigabe abgelaufener temporärer Sperren
- externe Blocklisten und externe Whitelists
- GeoIP-Länderfilter
- progressive Sperren für Wiederholungstäter
- Benachrichtigungen und AbuseIPDB-Reporting
- E-Mail-Reports
Datenfluss
Clients
|
| DNS, DoH, DoT, DoQ, DNSCrypt
v
AdGuard Home
|
| /control/querylog
v
AdGuard Shield Go-Daemon
|
|-- Rate-Limit-Prüfung pro Client + Domain
|-- Subdomain-Flood-Prüfung pro Client + Basisdomain
|-- Watchlist-Prüfung
|-- Whitelist-Prüfung
|-- GeoIP-Prüfung
|-- externe Listen
v
SQLite State
|
v
ipset + iptables/ip6tables
|
v
DNS-relevante Ports werden für gesperrte Clients blockiert
Wichtig: AdGuard Shield analysiert nicht den Netzwerkverkehr direkt. Es liest das Querylog von AdGuard Home. Dadurch erkennt es auch Anfragen über moderne DNS-Protokolle, solange diese in AdGuard Home sichtbar sind.
Laufzeit im produktiven Betrieb
Der systemd-Service startet den Daemon so:
/opt/adguard-shield/adguard-shield -config /opt/adguard-shield/adguard-shield.conf run
Beim Start passiert in dieser Reihenfolge:
- Konfiguration wird geladen.
- SQLite-Datenbank unter
STATE_DIRwird geöffnet oder angelegt. - Logdatei wird geöffnet.
- Firewall-Chain und ipsets werden vorbereitet.
- GeoIP-Datenbank wird geöffnet, falls GeoIP aktiv ist.
- Whitelist-Cache wird aus SQLite geladen.
- GeoIP-Sperren werden gegen die aktuelle GeoIP-Konfiguration geprüft.
- Aktive Sperren aus SQLite werden wieder in die Firewall geschrieben.
- Hintergrundjobs für externe Whitelist, externe Blocklist und Offense-Cleanup starten, falls aktiviert.
- Der zentrale Querylog-Poller beginnt mit der regelmäßigen Auswertung.
Das Reconcile beim Start ist wichtig: Wenn der Server neu startet oder iptables-Regeln verloren gehen, bleiben die Sperren in SQLite erhalten und werden beim nächsten Start wieder in die Firewall übertragen.
Querylog-Poller
Der Daemon ruft regelmäßig den AdGuard-Home-Endpunkt ab:
/control/querylog?limit=<API_QUERY_LIMIT>&response_status=all
Gesteuert wird das über:
CHECK_INTERVAL=10
API_QUERY_LIMIT=500
Aus jedem Querylog-Eintrag werden diese Informationen extrahiert:
| Feld | Verwendung |
|---|---|
| Zeitstempel | Bestimmt, ob die Anfrage im aktuellen Zeitfenster liegt |
| Client-IP | Schlüssel für Rate-Limit, Whitelist, GeoIP und Firewall |
| Domain | Schlüssel für Rate-Limit und Subdomain-Flood |
client_proto |
Anzeige von DNS, DoH, DoT, DoQ oder DNSCrypt |
Bereits gesehene Querylog-Einträge werden im Speicher dedupliziert. Der Daemon hält nur Ereignisse aus dem relevanten Zeitfenster plus kleinem Puffer vor.
Rate-Limit-Sperre
Eine Rate-Limit-Sperre entsteht, wenn ein Client dieselbe Domain innerhalb des konfigurierten Fensters zu oft abfragt.
Beispiel:
RATE_LIMIT_MAX_REQUESTS=30
RATE_LIMIT_WINDOW=60
Ablauf:
- Client
192.168.1.50fragtexample.com45-mal innerhalb von 60 Sekunden ab. - Der Poller sieht diese Einträge im Querylog.
- AdGuard Shield zählt pro Client und Domain.
45 > 30, also ist das Limit überschritten.- Die IP wird gegen statische und externe Whitelists geprüft.
- Falls die Domain nicht auf der Watchlist steht, entsteht eine normale
rate-limit-Sperre. - Bei aktivem Progressive-Ban wird die aktuelle Offense-Stufe berechnet.
- Die IP wird in SQLite gespeichert und per Firewall blockiert.
- History, Log und optionale Benachrichtigung werden geschrieben.
Subdomain-Flood-Erkennung
Random-Subdomain-Floods sehen anders aus als normale Wiederholungen. Ein Client fragt nicht eine Domain ständig neu ab, sondern viele zufällige Subdomains:
a8f3.example.com
k29x.example.com
z9p1.example.com
AdGuard Shield extrahiert daraus die Basisdomain example.com und zählt pro Client, wie viele unterschiedliche Subdomains im Fenster vorkommen.
Gesteuert wird das über:
SUBDOMAIN_FLOOD_ENABLED=true
SUBDOMAIN_FLOOD_MAX_UNIQUE=50
SUBDOMAIN_FLOOD_WINDOW=60
Ablauf:
- Client
10.0.0.99fragt 63 verschiedene Subdomains vonexample.comab. - Direkte Anfragen an
example.comzählen für diese Erkennung nicht. - Sobald mehr als
SUBDOMAIN_FLOOD_MAX_UNIQUEeindeutige Subdomains erkannt werden, wird gesperrt. - In der History erscheint die Domain als
*.example.com. - Der Grund lautet
subdomain-flood, außer die Basisdomain steht auf der DNS-Flood-Watchlist.
DNS-Flood-Watchlist
Die Watchlist ist für Domains gedacht, bei denen du nicht stufenweise reagieren möchtest. Wenn eine Domain auf der Watchlist steht und gleichzeitig ein Rate-Limit- oder Subdomain-Flood-Verstoß erkannt wird, wird sofort permanent gesperrt.
DNS_FLOOD_WATCHLIST_ENABLED=true
DNS_FLOOD_WATCHLIST="microsoft.com,google.com"
Matching:
microsoft.commatchtmicrosoft.comlogin.microsoft.commatcht ebenfallsmicrosoft.comevil-microsoft.commatcht nicht
Bei einem Treffer:
- Reason wird
dns-flood-watchlist - Sperre ist permanent
- Progressive-Ban-Stufen werden für die Dauer ignoriert
- AbuseIPDB-Reporting kann ausgelöst werden, wenn es aktiviert und ein API-Key vorhanden ist
Progressive Sperren
Progressive Sperren erhöhen die Sperrdauer bei wiederholten Monitor-Sperren. Das Verhalten ähnelt fail2ban.
Standard:
BAN_DURATION=3600
PROGRESSIVE_BAN_ENABLED=true
PROGRESSIVE_BAN_MULTIPLIER=2
PROGRESSIVE_BAN_MAX_LEVEL=5
PROGRESSIVE_BAN_RESET_AFTER=86400
Beispiel:
| Vergehen | Stufe | Dauer |
|---|---|---|
| 1 | 1 | 1 Stunde |
| 2 | 2 | 2 Stunden |
| 3 | 3 | 4 Stunden |
| 4 | 4 | 8 Stunden |
| 5 | 5 | permanent |
Der Offense-Zähler wird in SQLite gespeichert. Wenn eine IP länger als PROGRESSIVE_BAN_RESET_AFTER nicht auffällig war, kann der Cleanup sie entfernen.
Progressive Sperren gelten für Monitor-Sperren. GeoIP- und externe Blocklist-Sperren haben eigene Regeln.
Firewall-Modell
AdGuard Shield nutzt eine eigene Chain und zwei ipsets:
ADGUARD_SHIELD
adguard_shield_v4
adguard_shield_v6
Die Chain wird je nach FIREWALL_MODE in die passende Host-Chain eingehängt:
| Modus | Parent-Chain |
|---|---|
host / docker-host |
INPUT |
docker-bridge |
DOCKER-USER |
hybrid |
INPUT und DOCKER-USER |
Für klassische Installationen und Docker mit Host-Netzwerk sieht das so aus:
INPUT
|- tcp/53 -> ADGUARD_SHIELD
|- udp/53 -> ADGUARD_SHIELD
|- tcp/443 -> ADGUARD_SHIELD
|- udp/443 -> ADGUARD_SHIELD
|- tcp/853 -> ADGUARD_SHIELD
|- udp/853 -> ADGUARD_SHIELD
ADGUARD_SHIELD
|- src in adguard_shield_v4 -> DROP
|- src in adguard_shield_v6 -> DROP
Bei Docker Bridge mit veröffentlichten Ports ersetzt DOCKER-USER die INPUT-Chain im oberen Teil des Diagramms. Docker leitet solche Pakete nach DNAT über FORWARD; INPUT sieht sie dort nicht zuverlässig.
Die Ports kommen aus:
BLOCKED_PORTS="53 443 853"
Das blockiert klassische DNS-Anfragen und die üblichen Ports für DoH, DoT und DoQ. Die Erkennung selbst basiert weiterhin auf dem AdGuard-Home-Querylog.
Warum ipset?
- viele gesperrte IPs erzeugen nicht tausende einzelne iptables-Regeln
- IPv4 und IPv6 werden getrennt sauber verwaltet
- Sperren und Freigaben sind schneller
- die eigene Chain bleibt übersichtlich
SQLite-State
Der zentrale Zustand liegt standardmäßig hier:
/var/lib/adguard-shield/adguard-shield.db
Wichtige Tabellen:
| Tabelle | Inhalt |
|---|---|
active_bans |
aktuell aktive Sperren mit IP, Grund, Dauer, Quelle und Ablaufzeit |
ban_history |
dauerhafte Historie von BAN, UNBAN und DRY |
offense_tracking |
Progressive-Ban-Stufen pro Client-IP |
whitelist_cache |
aufgelöste IPs aus externen Whitelists |
geoip_cache |
gecachte GeoIP-Ergebnisse |
Die Datenbank nutzt WAL-Modus und einen Busy-Timeout, damit Daemon und CLI-Befehle gleichzeitig lesen können.
Verzeichnisstruktur
Nach einer Standardinstallation sieht die Struktur so aus:
/opt/adguard-shield/
├── adguard-shield # Go-Binary
├── adguard-shield.conf # Konfiguration, chmod 600
├── adguard-shield.conf.old # Backup nach Konfigurationsmigration
└── geoip/ # automatische MaxMind-Downloads
/etc/systemd/system/
└── adguard-shield.service
/var/lib/adguard-shield/
├── adguard-shield.db
├── external-blocklist/
├── external-whitelist/
├── iptables-rules.v4
└── iptables-rules.v6
/var/log/
└── adguard-shield.log
Hintergrundjobs im Daemon
Es gibt in der Go-Version keine separaten Worker-Skripte mehr. Diese Aufgaben laufen als Goroutines im Daemon:
| Aufgabe | Wann aktiv | Zweck |
|---|---|---|
| Querylog-Poller | immer | liest und analysiert AdGuard-Home-Querylogs |
| externe Whitelist | EXTERNAL_WHITELIST_ENABLED=true |
lädt Listen, löst Hostnamen auf, aktualisiert Whitelist-Cache |
| externe Blocklist | EXTERNAL_BLOCKLIST_ENABLED=true |
lädt Listen, sperrt gewünschte IPs und hebt entfernte IPs optional auf |
| Offense-Cleanup | PROGRESSIVE_BAN_ENABLED=true |
entfernt abgelaufene Offense-Zähler |
| GeoIP-Lookups | GEOIP_ENABLED=true |
prüft neue öffentliche Client-IPs gegen Länderregeln |
Externe Whitelist und Blocklist laufen sofort beim Start einmalig und danach im jeweiligen Intervall.
Whitelist-Logik
Vor jeder Sperre wird geprüft, ob die IP vertrauenswürdig ist.
Quellen:
- statische
WHITELISTaus der Konfiguration - aufgelöste IPs aus externen Whitelists
Eine gewhitelistete IP wird nicht gesperrt. Wenn eine externe Whitelist später eine bereits gesperrte IP enthält, hebt der Daemon diese Sperre automatisch auf.
GeoIP-Logik
GeoIP arbeitet nur mit öffentlichen IPs, wenn GEOIP_SKIP_PRIVATE=true gesetzt ist. Private Netze, Loopback, Link-Local und CGNAT werden übersprungen.
Modi:
| Modus | Verhalten |
|---|---|
blocklist |
Länder aus GEOIP_COUNTRIES werden gesperrt |
allowlist |
nur Länder aus GEOIP_COUNTRIES sind erlaubt, alle anderen öffentlichen Länder werden gesperrt |
GeoIP-Sperren sind permanent, werden aber beim Start gegen die aktuelle Konfiguration geprüft. Wenn GeoIP deaktiviert wird, der Modus wechselt oder ein Land nicht mehr blockiert werden müsste, kann die Sperre automatisch aufgehoben werden.
AbuseIPDB-Reporting
AbuseIPDB wird nur für permanente Monitor-Sperren genutzt:
- DNS-Flood-Watchlist-Treffer
- Progressive-Ban-Sperren, die die maximale Stufe erreicht haben
Nicht gemeldet werden:
- temporäre Rate-Limit-Sperren
- manuelle Sperren
- GeoIP-Sperren
- externe Blocklist-Sperren
Voraussetzung:
ABUSEIPDB_ENABLED=true
ABUSEIPDB_API_KEY="..."
History und Logs
Es gibt zwei unterschiedliche Blickwinkel:
| Quelle | Inhalt |
|---|---|
ban_history in SQLite |
Sperren, Freigaben und Dry-Run-Ereignisse |
LOG_FILE |
Daemon-Ereignisse, Worker-Läufe, Warnungen, Fehler |
Query-Inhalte werden nicht dauerhaft in die Logdatei geschrieben. Für aktuelle Queries gibt es die Live-Ansicht:
sudo /opt/adguard-shield/adguard-shield live
History:
sudo /opt/adguard-shield/adguard-shield history
sudo /opt/adguard-shield/adguard-shield history 200
Logs:
sudo /opt/adguard-shield/adguard-shield logs --level warn --limit 100
sudo journalctl -u adguard-shield -f
Unterschied zur alten Shell-Architektur
Früher gab es unter anderem:
adguard-shield.shiptables-helper.shexternal-blocklist-worker.shexternal-whitelist-worker.shgeoip-worker.shoffense-cleanup-worker.shreport-generator.shunban-expired.sh- Watchdog-Service und Watchdog-Timer
In der Go-Version gibt es diese Skripte nicht mehr. Der systemd-Service nutzt Restart=on-failure; die eigentlichen Worker laufen im Daemon. Alte Artefakte werden vom Installer erkannt und müssen vor der Go-Installation entfernt werden, damit keine zwei Implementierungen parallel dieselbe Firewall und dieselben Dateien verwalten.